Sachsen

Meisterzimmer – Kunst und Kultur in Leipzig

Leipzig kann man gar nicht oft genug besuchen – um voll und ganz in die Kunst- und Kulturszene abzutauchen bleibt man am besten gleich über Nacht. Zum Beispiel im »Meisterzimmer« in der ehemaligen Baumwollspinnerei im Westen der Stadt. Von dort aus führen spannende Wege entlang alter Kanäle und Industriegleise in die belebte Innenstadt oder raus ins Grüne.

In den letzten dreißig Jahren hat sich in der Leipziger Spinnerei viel verändert: Wo einst über 4.000 Arbeiter*innen Baumwollgarne herstellten, finden sich heute eine Vielzahl Kreativer. Zuerst siedelten sich Künstler*innen an, dann die Galerien und mittlerweile auch Architekten, Druckereien, Manufakturen, Gastronome sowie Theater und ein Kino. Aus einer alten Fabrik – gebaut fast wie eine Festung und angelegt wie eine kleine Arbeiterstadt – entstand ein in sich funktionierender Kosmos der Kreativszene. Die Gebäude, die immerhin von 1884 sind, wurden dabei sehr nachhaltig gebaut: Das massive Vollziegelmauerwerk, die begrünten Dächer und die mit Kork isolierten Wände halten nicht nur die Nebenkosten niedrig, sondern sorgen auch dafür, dass die Spinnerei uns wohl noch lange erhalten bleibt.

Freiheitsgefühl im historischen Gemäuer

Auf dem alten Fabrikgelände gibt es aber nicht nur tagsüber einiges zu entdecken: Wer gleich über Nacht bleiben möchte, quartiert sich am besten in einer der »Meisterzimmer« vor Ort ein. Manfred Mülhaupt, der moderne Herbergsvater, ist schon seit 1994 mit der Spinnerei verbandelt. Damals teilte er sich mit anderen jungen Künstlern ein Atelier vor Ort – hier gab es schließlich genügend Platz zum Zeichnen, Malen, Bauen und Spinnen. Im Jahr 2002 wurde die Produktion in der Spinnerei schließlich komplett eingestellt und immer mehr Künstler kamen auf das Gelände. Ein paar Jahre darauf zog es Manfred dann erst einmal in eine andere Stadt, ganz aufgeben wollte er die lieb gewonnen Räumlichkeiten aber nicht. Die Idee, sein früheres Atelier (heute Meisterzimmer 1) für Gäste zu öffnen, wuchs und vermehrte sich. So wurden mit viel Arbeit und Engagement noch drei weitere Fabrikräume zu kleinen Ferienwohnungen ausgebaut, die sich alle perfekt in den restlichen Kreativ-Kosmos einfügen. Die mittlerweile vier »Meisterzimmer« waren einst Werkstatt, Damenumkleide oder Traforaum – und das sieht man ihnen heute noch an.

Inspiration durch stetigen Austausch

Mit viel Fingerspitzengefühl hat Manfred Mülhaupt altes Mobiliar neu inszeniert und alleine dafür einen eigenen Interior-Preis verdient: Die Kombi aus alt und modern macht jedes der lichtdurchfluteten Zimmer zu einem Meisterwerk, ohne dass diese dabei ihren ursprünglichen Charakter verlieren. Dem Künstler war es wichtig, die Historie und das industrielle Flair mit dem Freiheitsgefühl vergangener Tage zu verbinden – für ihn ist die Spinnerei ein Ort der Inspiration und Gemeinschaft zwischen Kreativen, Selbstständigen und Besuchern. Seit der Wende hat er alle Entwicklungen der »Spinne« miterlebt und möchte Besuchern einen authentischen Besuch ermöglichen. Natürlich versorgt er seine Gäste auch gerne mit aktuellen Restaurant- und Ausgehtipps, wenn es diese dann doch mal aus dem charmanten Industriestädtchen hinauszieht. Die passenden Fahrräder für einen Ausflug ins Grüne gibt es passenderweise vor Ort auszuleihen. Für urbane Abenteuer empfiehlt Manfred einen Ausflug auf die Karl-Heine-Straße in Leipzig, dort gibt es Kultur und Kulinarisches satt.

Die vier »Meisterzimmer« in der ehemaligen Baumwollspinnerei kommen mit allen drum und dran aus und bieten Platz für bis zu acht Personen. Das großzügige Kulturangebot und die Radwege in Richtung Innenstadt oder ins Grüne sorgen für einen abwechslungsreichen Ausflug – egal ob als Solo-Trip, im Zweierpack oder mit ein paar Freunden.


Ausflugstipps für ein Wochenende in Leipzig:

»Grünflächen«
Leipzig ist eine recht grüne Stadt und hält eines der größten Auenwaldgebiete Mitteleuropas für uns bereit. Den Auwald erreicht man vom Meisterzimmer aus gut mit dem Fahrrad. Dort angekommen lädt dann eine vielfältige Pflanzenwelt zum Wandern und Erholung pur ein.

»Sehenswert«
Noch bis zum 8. November 2020 gibt es im Museum der bildenden Künste die Ausstellung Zero Waste zu bestaunen. In der Gruppenausstellung setzen sich verschiedene Künstler mit den Themen Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Konsum auseinander. Neben Fotografien, Installationen und Skulpturen wird ein umfangreiches Mitmach-Programm geboten: Von »Zero Waste«-Hörspaziergängen bis Workshops wie »Zero Waste«-Küche und »DIY«-Kräuterkosmetik. Ansonsten empfehlen wir euch das gfzk – die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig.

»Badezeit«
Die Seen um Leipzig sind Überbleibsel aus dem Braunkohletagebau – nachdem dieser eingestellt wurde, hat man die Tagebaurestlöcher geflutet und so in eine Seenlandschaft umgewandelt. Der »Cospudener See« bietet dabei mit Stränden, zahlreichen Wassersportmöglichkeiten und sogar Sauna mit direktem Seezugang abwechslungsreiche Aktivitäten. Besonders schön: Vom Leipziger Stadthafen durch den Auwald zum See paddeln


Übernachtung
Einzelzimmer ab 80,00 Euro pro Nacht
Doppelzimmer ab 90,00 Euro pro Nacht
Bei vier Personen ab 130,00 Euro pro Nacht

Anreise
Ab Leipzig Hauptbahnhof geht es für knapp zwanzig Minuten weiter mit der Tram oder mit der S-Bahn bis Haltestelle Leipzig-Plagwitz. Von dort erreicht ihr die Spinnerei zu Fuß in etwa zehn Minuten.

Gut zu Wissen
Während der Leipziger Buchmesse, die immer im März stattfindet, ist besonders viel los in der Stadt und neben der eigentlichen Messe wimmelt es nur so vor Veranstaltungen und Parties. Die Übernachtungen sind in diesem Zeitraum allerdings etwas preisintensiver als an anderen Tagen.


Meisterzimmer
Spinnereistr. 7
04179 Leipzig

www.meisterzimmer.de
leipzig@meisterzimmer.de

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Fotos: Manfred Mühlhaupt, Nick Putzmann, Tobias Tullius

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