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Reingehört – Wie wir jetzt das Tempelhofer Feld retten

Für manche ein graues Stück Beton, für viele eine urbane Oase: Das Tempelhofer Feld bringt Berliner:innen aus den verschiedensten Ecken zusammen und vor allem Stadt und Erholung in Einklang. Anky, unsere interne »Feldbeauftragte« ist nicht nur Teil des Draussen-Teams, sondern engagiert sich auch in der Initiative »100% Tempelhofer Feld«. Kurz vor den Wahlen erzählt sie uns, warum unsere Stimme fürs Feld so wichtig ist.

London hat seine Kronjuwelen, Paris die Mona Lisa und Berlin das »Tempelhofer Feld«. Was einst ein geschäftiger Flughafen mitten in der Stadt war, hat sich zu einem wahren Schatz gemausert. Ein Ort, der von vielen geliebt und von manchen belächelt wird: »Da ist doch gar nix!« – da lohnt es sich noch einmal genau hinzusehen, denn gerade das macht die beliebteste Grünfläche Berlins besonders. So besonders, dass dessen Erhalt auch Thema beim kommenden Superwahlsonntag ist. Warum wir das Feld retten sollten, lest ihr hier.

Tempelhofer Feld während des Lockdowns

Das Feld wird seit der Eröffnung für alle erdenklichen Sportarten genutzt: Hier wird gejoggt, geskatet, gekitet und sobald der erste Schnee liegt, sieht man sogar Langläufer ihre Bahnen ziehen. Während des Lockdowns, der im dicht bebauten Berlin eine besondere Herausforderung war, sind die Besucherzahlen zusätzlich explodiert. Etwa 70.000 Besucher:innen pro Tag verlegten ihre Freizeitaktivitäten aufs Tempelhofer Feld. Schließlich bot die 300 Hektar große Fläche genug Platz für Alles und Jeden ohne jemals überfüllt zu wirken. Ein Ort wie gemacht für Abstandsregelungen!

Natur und Mensch im Einklang

Die Symbiose zwischen Erholung und Naturschutz funktioniert hier besonders gut: Das Feld wird nicht gedüngt, es werden keine Pestizide verwendet und es wird nur einmal im Jahr außerhalb der Brutzeit gemäht – in Zukunft soll diesen Job sogar vollständig eine Schafherde übernehmen, die dort seit einem Jahr weidet. Sie befinden sich in einem eingezäunten Bereich, der gleichzeitig verschiedenen Vogelarten als Brutfläche dient. Diese extensive Nutzung macht die Fläche in Deutschland einmalig, weswegen sich hier auch verschiedenste Tier- und Insektenarten wohlfühlen, die bereits vom Aussterben bedroht sind. Auf den Trockenwiesen und in den über 1000 Bäumen finden sie Zuflucht und Lebensraum – und das mitten in der Großstadt.

Artenreiche Trockenwiese fürs Klima

Trockenwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Auf dem Tempelhofer Feld erfüllen sie außerdem eine wichtige klimatische Funktion: Sie kühlen nachts besonders schnell ab und dank der Größe der Fläche entstehen kalte, bodennahe Winde, die die umliegenden Bezirke mit Frischluft versorgen und stark bebaute und betonierte Flächen abkühlen. Bei steigenden Temperaturen wird diese Funktion immer wichtiger um beispielsweise in Hitzesommern dem Hitzestress der Stadt entgegen zu wirken.

Tempelhofer Feld während den Wahlen

Trotz der positiven Wirkung auf das Klima, die Biodiversität und die Erholung der Berliner*Innen und entgegen des erfolgreichen Volksentscheides von 2014, der das Feld mit dem ThF-Gesetz schützt, möchten verschiedene politische Parteien die Grünfläche versiegeln und bebauen. Umso wichtiger wird die Wahl Ende September: SPD, CDU und FDP sprechen sich klar für eine Bebauung aus – Linke, Grüne, ÖDP und die Klimaliste haben in ihren Wahlprogrammen den Erhalt des Feldes verankert. Warum wir fürs Feld stimmen? Das Tempelhofer Feld ist ein weltweit einzigartiges Pilotprojekt, das zeigt wie gut Stadtnatur und -bewohner voneinander profitieren können. In der scheinbaren Leere der Fläche liegt ein Reichtum der mit keinem Geld aufzuwiegen ist.


Fotos: Jonas Trebbe, Ralf Knufe, Anky Brandt, Amaya Feuerhaar

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