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Ganzjahresschwimmen – Eisbaden fürs Immunsystem

Einatmen. Ausatmen. Und das bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt: Anna-Lena hat das Ganzjahresschwimmen für sich entdeckt und in Sachen Eisbaden recherchiert. Hier verrät sie uns die besten Allwetter-Schwimmclubs und spricht mit Irina Hey von »Munich Hot Springs« über Grenzerfahrungen und Tipps für Beginner*innen.

In der englischen Dokumentation The Ponds begleitet ein Filmteam die Aktivitäten rund um die Seen in »Hampstead Heath«, einem Park im Norden Londons. Sowohl im »Ladie’s Pond« als auch »Men’s Pond« gibt es Menschen, die das ganze Jahr über dort schwimmen. Wenn man genau hinschaut, geht es allerdings gar nicht so sehr um das Schwimmen zu jeglichen Jahreszeiten, sondern um das Gefühl, dass das Schwimmen bei den Menschen auslöst. Um die Gemeinschaft, die Herausforderungen und das Leben, das passiert, während das ganzjährliche Schwimmen eine wichtige Konstante bleibt. Und dennoch ist es faszinierend, das ganze Jahr über die Natur und deren Veränderungen aus  der Wasserperspektive mit zu erleben. Angefangen beim Eisbaden während den Wintermonaten.

Eisbaden und seine Vorteile

Anfang des Jahres ist mir selten ein Thema so oft entgegen geploppt wie dieses: Eisbaden. Mein persönlicher Instagram-Feed war plötzlich voll mit Menschen, die sich mit ausreichend Abstand und Wollmütze auf dem Kopf ins kalte Nass begaben. Dank Pandemie, also geschlossenen Schwimmbädern und Fitnessstudios, scheint das Eisbaden in öffentlichen Gewässern und zugefrorenen Seen ein besonders großer Trend zu sein. Neben dem Vorteil, dass man für das Eisbaden keine Mitgliedschaft im Fitnessclub oder teure Ausrüstung benötigt, werden auch immer wieder die gesundheitlichen Aspekte betont. So sollen beim Eisbaden das Immunsystem gestärkt werden, Glückshormone ausgeschüttet und entzündungshemmende Botenstoffe im Körper produziert werden.

Die drei Säulen der Wim Hof-Methode

In vielen Ländern gehört Eisbaden zum traditionellen Wintersport, hierzulande müssen wir uns helfende Atemtechniken noch ergoogeln. Eine Methode, die bei der Vorbereitung auf das Schwimmen im Eis besonders oft genutzt wird, ist die »Wim Hof«– Methode. Namensgeber dafür ist der Niederländer Wim Hof, der mittlerweile 21 Guinness-Weltrekorde hält und zu dessen extremen Challenges unter anderem das 66 Meter tiefe Tauchen unter Eis zählt. Die »Wim Hof«-Methode geht davon aus, dass sich das Verhältnis der Menschen zur Erde und Welt im Laufe der Zeit geändert hat und wir mit dieser nicht mehr wie ursprünglich verbunden sind. Die Methode soll, basierend auf den drei Säulen – Kältetherapie, Atmung und Willenskraft – diese Verbindung wieder herstellen. Dazu gehört eine wissenschaftlich erkannte Atemtechnik und das regelmäßige Eisbaden.

Eisbaden in Berlin und München

Wie bei allen Dingen, die man zum ersten Mal macht, lohnt sich ein neugieriger Blick auf die, die es können. Und weil man so ganz alleine und ohne Begleitung sowieso nicht ins eisige Wasser steigen sollte, haben wir euch ein paar taffe Allwetter-Schwimmclubs für Berlin und München rausgesucht. On top beantwortet uns Irina Hey von »Munich Hot Springs« ein paar Fragen rund ums Eisbaden. Stay safe!

Berliner Seehunde

»Der Eisbaden-Trend geht nicht erst seit Corona bergauf, sondern schon vorher gab es gesteigertes Interesse an dem Thema«, erzählt Heiko Beyer, Mitglied der Berliner Seehunde. Kein Wunder also, dass sich Menschen in Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam ins eiskalte Nass zu steigen. Die Berliner Seehunde gibt es seit 1980 als Abteilung »Winterschwimmen« in der SG Bergmann-Borsig e.V. Derzeit verabreden sich 130 Mitglieder im Alter von 12 bis 81 Jahren regelmäßig im Freibad Orankesee um zwischen September und April in der Gruppe Eiszubaden. Coronabedingt werden aktuell allerdings keine neuen Mitglieder aufgenommen.

Ice Dippers

Eine andere Gruppe aus Berlin sind die »Ice Dippers«. Gegründet wurde sie vor vier Jahren von Jonas Wind, der mit dem Eisbaden anfangs einfach nur sein Immunsystem stärken wollte. Schnell bildete sich eine Gruppe um ihn herum, die ganz regelmäßig den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Mit ihren Aktionen wollen die Ice Dippers auf die schweren Bedingungen für obdachlose Menschen zur Winterzeit aufmerksam machen und sammeln zu diesem Zweck jährlich Geld. Dieses Jahr werden Spenden über die Icedipping Challenge gesammelt, um die wichtige Arbeit des Berliner Kältebus zu unterstützen. In nicht Pandemie-Zeiten laden die Ice Dippers auch Neulingen dazu ein, sich beim echten Eisbaden am Plötzensee, Weissensee oder Regattaufer Stralau zu beteiligen.

Munich Hot Spring

Die Munich Hot Springs ist die Gruppe für alle Münchner Allwetter-Schwimmer*innen. Wir haben Irina Hey, die seit etwa vier Jahren Teil der Gruppe ist, ein paar Fragen zum Winterschwimmen gestellt. Sie hat sich während des Corona-Winters nicht nur mit Eisbaden fit gehalten, sondern auch Yoga für sich entdeckt. Dies hat sie insbesondere gelehrt mehr im Moment und Jetzt zu leben. Ob im Job als Digital Marketer oder privat lautet ihr Mantra: »Trust is built with consistency«. Konsistent in action ist sie ohnehin – Irina liebt Sport, Bewegung und das Draußensein. Am liebsten verreist sie in die Berge oder ganz »slow« mit dem Zug in eine aufregende Stadt.

Wie kamst du zur Eisbaden-Gruppe »Munich Hot Spring«?

Es war damals vor etwa vier Jahren eine Gruppe von Freunden, die sich nach dem Sport zu Regenerationszwecken in das eiskalte Wasser begeben hatten. Ich bin durch Zufall darauf gestoßen, weil ich ein paar von ihnen aus dem Fitness Club kannte. Sie hatten das regelmäßig gemacht. Irgendwann habe ich sie darauf angesprochen, warum sie das tun und was die Vorteile sind. Da haben sie mich auch schnell überredet es selbst auszuprobieren. Und nun genieße ich meine Eisbäder regelmäßig seit 2018. Während ich mich am Anfang noch sehr überwinden musste, ging es mir schon nach einem halben Jahr dabei so gut, dass ich mich regelmäßig mit der Gruppe getroffen habe und irgendwann mit den Einsteigern auch mein Wissen geteilt hatte. So wuchs die Munich Hot Springs Gruppe immer weiter. Mittlerweile zählen wir über 500 Mitglieder, die auf sozialen Medien ihre Erfahrungen miteinander teilen und vor allem die wunderschönen Fotos an den verschiedenen Eisbade-Orten.

Was war dein schönstes Erlebnis beim Eisbaden bisher?

Am schönsten finde ich die Eisbäder in den Bergen. Die Gebirgsseen sind einfach wunderschön und die Aussicht ist faszinierend. Auch das Wasser ist dort meist sehr klar und ruhig. Mein schönstes Badeerlebnis hatte ich in Österreich im Schwarzsee. Dort gibt es ein nettes Restaurant, wo ich einen Kaffee getrunken habe. Nach dem Gespräch mit dem Kellner über Eisbaden meinte er plötzlich, dass hier immer wieder ein Mann zum Baden kommt und es gäbe einen Loch im Eis. Ich habe mich so unglaublich gefreut und dann natürlich auch sofort gebadet. Das war sehr angenehm und sehr ruhig.

Welche Tipps würdest du absoluten Eisbaden-Beginnern geben? 

Es gibt einige Regeln, die man beim ersten Mal berücksichtigen sollte. Man sollte es auf jeden Fall nicht leichtsinnig angehen und sich vor dem ersten Bad mit kaltem Duschen ein paar Wochen zuvor vorbereiten. Während des ersten Bads neigt der Körper dazu sofort die »Flucht« zu ergreifen. Da ist es wichtig ruhig zu bleiben, richtig zu atmen und zu genießen. Die positiven Effekte für den Körper treten nämlich erst nach ein paar Minuten ein. Auf keinen Fall sollte man ins kalte Wasser, wenn man erkältet ist, sich unwohl fühlt oder Herz-Kreislauf Probleme hat. Wer sicher gehen will, sollte sich am besten vorher mit dem Hausarzt beraten. Und vor allem Einsteiger sollten niemals alleine baden gehen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert das Eisbaden regelmäßig zu praktizieren, dann man merkt die positiven Auswirkungen am Körper und für die Psyche erst nach ein paar Monaten. Ich glaube am besten ist es, wenn man Eisbaden als ein Langzeitprojekt betrachtet.

Neben Irinas Tipps, hat die »Munich Hot Springs«-Gruppe eine Übersicht für Eisbaden-Beginner zusammengestellt. Für alle Allwetter-Schwimmer*innen wird sich unsere »Pond Lady« Anna-Lena ab sofort zu jeder Jahreszeit ins Wasser geben und hier regelmäßig darüber berichten. Wer lieber das Waldbaden bevorzugt, klickt sich schnell zu Lara Leonie Keuthen.


Unser Buchtipp zum Thema »Eisbaden«:

Große Inspiration für 2021 und das Draussen-Team: Jessica J. Lee, die in einem Jahr 52 Seen in und um Berlin erkundete. Im Sommer und Winter. Beim Lesen lernt man nicht nur die verschiedenen Seen besser kennen, sondern erfährt auch Wissenswertes über die Geschichte Berlin und Brandenburgs. Außerdem verrät uns die Autorin, die in Umweltgeschichte promovierte und ihre Doktorarbeit über die Londoner »Hampstead Heath« schrieb, spannende Zusatzinfos und Expertenwissen zum Ökosystem See. Die Ausflüge zu den Gewässern werden immer von Jessicas persönlicher Geschichte begleitet, davon, was sowohl das Schwimmen als auch Freundschaften für sie bedeuten. »Mein Jahr im Wasser« von Jessica J. Lee, 336 Seiten über Piper Verlag



Fotos: Ice Dippers, Munich Hot Spring

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